052 301 31 00
   sifa - Sicherheit für alle, Postfach 54, 8416 Flaach

Medien

Für neue Polizeimunition


sifa unterstützt Begehren der Polizeibeamten

Auch in der Schweiz nimmt die Gewaltkriminalität von Jahr zu Jahr bedenklich zu. Besonders bedrohlich: Kriminelle greifen weit häufiger zur Waffe als früher.

Da die Hemmschwelle von Kriminellen bezüglich Schusswaffen-Einsatz laufend niedriger wird, wird der Beruf des Polizisten entsprechend gefährlicher. Dieser zunehmenden Gefahr, der Polizisten bei der Erfüllung ihres Sicherheitsauftrags im Dienst der Öffentlichkeit ausgesetzt sind, ist durch adäquate Ausrüstung und Bewaffnung der Ordnungshüter Rechnung zu tragen.

Im Lauf der letzten Jahre wurde in verschiedenen Ländern eine neue, speziell auf den Polizeiauftrag ausgerichtete Munition getestet. Nachdem diese Tests positiv verlaufen sind, fordert die Vereinigung sifa – SICHERHEIT FÜR ALLE – die rasche Einführung dieser speziellen Polizeimunition in allen Polizeikorps der Schweizer Kantone.

Der Vorteil dieser neuen Polizeimunition besteht darin, dass sie Getroffene zwar rasch kampfunfähig macht, sie dabei aber nicht tötet. Die Munition bleibt im Körper eines Getroffenen stecken. Durchschüsse sind praktisch ausgeschlossen. Das hat zur Folge, dass auch unbeteiligte Dritte, die unvorhergesehen in eine Schiesserei geraten können, einer weit geringeren Gefährdung ausgesetzt sind, als das bis heute der Fall ist.

Die neue Polizeimunition steht zum Beispiel in Deutschland heute flächendeckend im Einsatz – mit überzeugenden Resultaten. Aufgrund der guten Erfahrungen ihrer deutschen Kollegen fordern Schweizer Polizeibeamte – sozusagen täglich konfrontiert mit der zunehmenden Gewaltbereitschaft und der abnehmenden Hemmung zum Schusswaffen-Einsatz -, dass diese Munition auch in der Schweiz für die Polizei beschafft wird. Die Vereinigung sifa – SICHERHEIT FÜR ALLE – unterstützt diese Forderung vorbehaltlos – für sämtliche kantonalen Polizeikorps der Schweiz. Sie wird diesen Standpunkt in diesen Tagen brieflich den Polizeidirektoren sämtlicher Kantone übermitteln. In Übereinstimmung mit dieser Forderung hat der Vizepräsident der sifa, Nationalrat Yvan Perrin (SVP NE) in der vergangenen März-Session den Bundesrat per Motion aufgefordert, diese Polizeimunition für das Schweizer Grenzwachtkorps und für die Bundespolizei raschmöglichst einzuführen.

Die in Flaach ZH domizilierte Vereinigung sifa – SICHERHEIT FÜR ALLE – ist eine Bürgerbewegung, die sich für die öffentliche Sicherheit und insbesondere auch für die Belange der Polizeibeamten einsetzt. Präsident ist Nationalrat Ulrich Schlüer, Flaach ZH. Als Vizepräsidenten amtieren Nationalrat Yvan Perrin, Neuenburg und Christian Schmid, Niederried bei Kallnach. Die sifa umfasst rund 1500 Mitglieder aus allen Bevölkerungsschichten.

Infos & Downloads
>> Für neue Polizeimunition [18 KB]
als PDF zum Herunterladen

Weiterlesen

Das Sturmgewehr kann nichts dafür…

Waffenmissbrauch statt Waffenbesitz bestrafen

Das Tötungsdelikt von Höngg, verursacht durch einen linksradikalen Neubürger mit chilenischer Abstammung, wirft zahlreiche Fragen auf. Die Vereinigung „sifa – Sicherheit für alle“ fordert, jene, die sich des Waffenmissbrauchs schuldig machen, endlich viel härter zu bestrafen.

Die sinnlose Tat des 21jährigen Luis W., der mit einem Sturmgewehr einen tödlichen Schuss auf ein 16jähriges Mädchen abgab, beschäftigt mit Recht die Öffentlichkeit. Als Rekrut hat er offenbar Munition gestohlen, mit der er nach Ende der Rekrutenschule kaltblütig eine junge Frau erschoss.

Täter mit linkem Hintergrund

Inzwischen ist über den Täter einiges mehr bekannt. So soll er sich in linksradikalen Kreisen bewegt haben. Er warf am 29. Januar 2006 anlässlich einer Anti-WEF-Demonstration einen Molotow-Cocktail in die Eingangshalle der Exportförderungsorganisation Osec und gab sich als militanter WEF-Gegner aus.

Die politische Linke versucht trotzdem, aus dem „Fall Höngg“ politisch Kapital zu schlagen. Dass der Höngger Täter ein sich im linken Milieu tummelnder Punk ist, verschweigt sie. Die Linke – und in ihrem Schlepptau auch zahlreiche Medien – haben die „Gewalt gegen Sachen“ an Anti-WEF-Demonstrationen notorisch verharmlost, sicher nie verurteilt. Das Beispiel des Schützen von Höngg zeigt, dass aus Gewalt gegen Sachen zuweilen auch Gewalt gegen Menschen entstehen kann! Sogar mit tödlichen Folgen. Beim „Todesschützen von Höngg“ werden zudem die Folgen liederlicher Einbürgerungspraxis deutlich.

Der Täter von Höngg bekam in der Armee trotz Vorstrafen eine Waffe. Die sifa verlangt, den Gewalttäter heute unverhältnismässig schützenden Datenschutz zum Schutz der Gesellschaft zu lockern. Es darf nicht sein, dass Gewalttäter dank fehlendem oder ungenauem Wissen um Verbrechen in die Armee aufgenommen und mit einer Waffe ausgerüstet werden.

Illegal erworbene Schusswaffen

Auch nach dem tragischen Vorfall von Höngg gilt: Die von Linken und Grünen vorbereitete Volksinitiative zur Entwaffnung der Schweiz bietet keine Lösung. Wer dem verantwortungsbewussten Wehrmann die Waffe wegnimmt, sorgt keinesfalls für eine waffenfreie Schweiz. Mit dem Einzug der Armeewaffen erfolgt bloss die Entwaffnung des Verantwortungsbewussten. Der kriminelle und illegale – also für die Öffentlichkeit weit gefährlichere – Waffenbesitz bleibt vom Einzug der Armeewaffen gänzlich unberührt.

Damit würden vom Einzug der Armeewaffen insbesondere Kriminelle profitieren. Die kriminelle Benutzung von Waffen dürfte gar verstärkt werden. Denn Kriminelle geraten dann, wenn sie für ein Verbrechen auch den Waffeneinsatz vorsehen, gleichsam in eine „Monopolsituation“. Die Skrupellosen – unter ihnen nicht wenige bewaffnete Ausländer oder Täter mit „Migrationshintergrund“ – dürften entsprechend ungehemmter zur Waffe greifen. Erfahrungen aus England, wo die Entwaffnung der Verantwortungsbewussten weitestgehend durchgesetzt worden ist, zeigen: Die Unterbindung des legalen privaten Waffenbesitzes liess die mit Schusswaffen begangene Gewaltkriminalität deutlich zunehmen.

Die grösste Gefahr für die Öffentlichkeit geht eindeutig von illegal benutzten Schuss- und Stichwaffen aus. Der hohe Ausländeranteil unter den Straftätern ist dafür Beweis. Ein immer wieder gefordertes Waffenregister hätte die kriminelle Tat von Höngg keineswegs verhindert. Verbrechen werde von Tätern, nicht von Instrumenten – ob registriert oder nicht – begangen.

Die sifa fordert

Statt den Waffenbesitz zu kriminalisieren, ist der Waffenmissbrauch mit krimineller Absicht weit härter als bisher zu bestrafen. Waffenmissbrauch kann nur mit spürbarer Strafverschärfung wirksam bekämpft werden. Eine deutliche Strafverschärfung muss wirksam werden, sobald eine Waffe bei der Ausübung einer Straftat nur schon mitgeführt wird.

Das Strafgesetzbuch muss gemäss sifa-Forderung folgendermassen ergänzt werden:

Wer zum Zweck der Ausführung einer Straftat eine Schusswaffe oder eine Blankwaffe mit sich führt, wird mit Zuchthaus nicht unter fünf Jahren bestraft.

Straftäter ausländischer Nationalität werden zusätzlich auf Dauer des Landes verwiesen.

Die sifa fordert, aus dem Fall Höngg die richtigen Lehren zu ziehen. Diese lauten:


  • Waffenmissbrauch verlangt nach massiver Strafverschärfung. Nicht der Waffenbesitz ist zu kriminalisieren, vielmehr ist der Waffenmissbrauch mit krimineller Absicht weit strenger zu ahnden als in der Vergangenheit.

  • Ein zentrales Waffenregister löst keine Probleme, da die gefährlichste Waffenkategorie, die illegalen Waffen, nicht erfasst wurden. Es bestraft lediglich die Ehrlichen.

  • Wer wegen schwerer Gewaltdelikte vorbestraft ist, hat in der Armee nichts zu suchen. Er muss seine Dienstpflicht anderweitig abgelten.
Weiterlesen

Wir brauchen eine Grenadier-Armee


Auszug aus dem Vortrag an der sifa-Wintertagung zur Sicherheitspolitik in Aarau am 28. Januar 2006

Fort mit der Glasglocken-Mentalität!
Von Divisionär aD Hans Bachofner, Winterthur

Die Schweiz wäre dringend auf eine tragende strategische Doktrin angewiesen. Die Diskussion darüber findet allerdings in einem Klima der Glasglocke statt. Dies eine Feststellung aus der aktuellen Lagebeurteilung von Divisionär Hans Bachofner, vorgetragen an der sifa-Wintertagung zur Sicherheitspolitik am 28. Januar 2006 in Aarau.

Innerhalb der Glasglocke, so hielt Divisionär Bachofner fest, entwickelt die Armee-Spitze Zukunftspläne, sorgfältigst abgeschirmt von Kritik von aussen. Ausserhalb der Glasglocke steht die Öffentlichkeit, deren Kritik zunimmt, weil das Vertrauen in die Kompetenz der Führung sinkt. Denn wichtige Fragen bleiben unbeantwortet: Was sucht die Schweiz in Nato-Nähe? Weshalb wird Englisch zur Kommandosprache? Wird gegen unser Land Druck ausgeübt, sich stärker in Afghanistan zu engagieren? Wie steht es um die EU-Eingreiftruppe, zu welcher seitens der Armee-Führung Beitrittsgelüste zumindest angetönt worden sind?

Die Bevölkerung erkennt auch die Gefahr, die von neuen terroristischen Bedrohungen ausgeht. Und sie nimmt die weltweite Kräfteverschiebung wahr. Sie verfolgt die sichtbar werdende Erschöpfung der USA. Und den Aufstieg neuer, teilweise eine gefährlich aggressive Sprache pflegender Mächte. Welches ist, fragt sich die Öffentlichkeit, der Profit unserer Auslandeinsätze? Wie kommen Entscheide, sich mit der Armee im Ausland zu engagieren, überhaupt zustande?

Dann gibt es die dritte, wachsende Gruppe: Die Gleichgültigen. Sie sind allenfalls schon für eine Armee. Sie wollen sich aber mit Steuergeldern von der Militärdienstpflicht freikaufen. Deshalb liebäugeln sie mit einem Berufsheer. Dienst am Land wird kleingeschrieben. Gefragt wird höchstens: Was nützt „mir“ der Militärdienst?

Sicherheit heute

Dies alles geschieht zu einem Zeitpunkt, da der Begriff „Sicherheit“ offensichtlich zerredet und überdehnt worden ist. In der Uno spricht man nur noch von sogenannt „erweiterter Sicherheit“. Das ist nicht die Sicherheit von Staaten gegen Angriffe anderer Staaten. Gemeint ist damit vielmehr die Sicherheit des Individuums vor Armut, vor allem Übel, auch vor Umweltkatastrophen. Die Gesundheit steht im Zentrum. Abgelehnt wird Gewalt, die Menschenrechte werden beschworen. „Sicherheit“ ist mit ganz anderem Inhalt angefüllt worden.

Das zeigt: Wir brauchen endlich eine strategische Doktrin. Wir müssen bescheidener werden. Nicht länger vorgeben, wir könnten Sicherheit für alles und vor allem gewährleisten. Wir müssen über Strategie reden. Und dabei müssen konkrete Fragen gestellt werden: Die Bedrohungsfälle müssen untersucht werden, zeitlich und räumlich, so wie sie erkennbar sind. Welches Leistungsprofil ist daraus abzuleiten für die Armee von heute? Welche Mittel in personeller, finanzieller, materieller, baulicher, struktureller Hinsicht sind erforderlich? Wie werden die Kompetenzen aufgeteilt?

Die Stellung des Bürgers als Soldat ist neu zu definieren. Auch die Stellung der über zwanzig Prozent Ausländer in der Schweiz muss endlich festgelegt werden. Ich schlage als Weg hin zu einer überzeugenden Doktrin sechs Wegweiser vor, denen die Spitze zu folgen hätte bei der Prüfung von allem, was vorzukehren ist.

Erster Wegweiser: Ein realistisches Weltbild

Es ist Abschied zu nehmen von der Illusion einer militärisch-humanitär intervenierenden Staatengemeinschaft. Es ist Abschied zu nehmen von der Illusion des Weltpolizisten Uno oder des Weltpolizisten USA. Die Stellung der Schweiz in einer neu sich herausbildenden multipolaren Welt von Nationalstaaten, einer Welt voller Konfrontationen, Machtproben und Konflikte ist festzulegen. Dann hätten wir endlich ein realistisches Weltbild.

Zweiter Wegweiser: Das realistische Kriegsbild

Eine strategische Überraschung ist zu jedem Zeitpunkt möglich. Deshalb brauchen wir eine einsatzbereite Armee. Nicht eine Armee, die unter den Fahnen steht und auf den Feind wartet. Nicht eine Berufsarmee. Sondern eine Milizarmee. Eingebunden in Gesellschaft und Wirtschaft. Abrufbereit für den Notfall. Und für die Ausbildung.

Das heisst Abschied-Nehmen von der Illusion, die Schweiz sei im Hindukusch und auf dem Balkan zu verteidigen. In der naiven Meinung, Terrorismus und illegale Einwanderung hätten lokalisierbare Wurzeln, die man mit Schweizer Militär dort ausrotten könne. Die Hinwendung zu den neuen Kriegsbildern ist notwendig, zu kaum mehr staatlich geführten, kommerzialisierten, asymmetrischen Konflikten in Form von Bürgerkriegen, Antiterrorkriegen, in denen zunehmend auch Vernichtungswaffen eingesetzt werden können. Nicht mehr die Entscheidungsschlacht findet statt. Vielmehr drohen Massaker.

Als Vorbereitung ist gründliche Kenntnis der eigenen Verwundbarkeit, der neuen Verwundbarkeit unserer Gesellschaft notwendig. Dabei ist endlich sauber zu unterscheiden zwischen Gefahren und Risiken. Heute werden diese Begriffe laufend vermischt, auch in den täglichen Nachrichten-Sendungen. Wer die eigene Verwundbarkeit erkennt, der wird sich für die Dezentralisierung der gefährdeten Positionen entscheiden. Und zur breiten Streuung der Verantwortung. Je dezentralisierter unsere verwundbarsten Institutionen placiert sind, desto weniger verwundbar sind wir.

Dritter Wegweiser: Ein realistisches Soldatenbild

Die Fähigkeit zum Kampf ist die einzige Legitimation des Soldaten. Für alles andere gibt es geeignetere Berufsgruppen. Wir brauchen Kämpfer, nicht bewaffnete Sozialarbeiter. Verabschieden wir uns endlich von der heuchlerischen Sprache der Propagandisten. Gefragt ist klare, offene Sprache. Wir brauchen eine Ausbildungsarmee, nicht eine Einsatzarmee. Die Armee ist kein Überwachungsgeschwader. Die Ausbildung für das, was auf uns zukommt, ist anspruchsvoll genug. Für Hilfseinsätze aller Art fehlt die Zeit. Besonders für eine Miliz, die ja nicht dauernd im Dienst ist und die ihr Hauptbetätigungsfeld im Zivilen hat. Deshalb ist die verfügbare Zeit ausschliesslich für die Ausbildung zu nutzen. Nur im wirklichen Notfall soll die Armee eingesetzt werden.

Wir benötigen für dieses realistische Soldatenbild eine angemessene Auftragstaktik – nicht abstrakte Lippenbekenntnisse. Auftragstaktik gibt es nicht in internationalen Einsätzen. Das bestätigen alle militärischen Führer, die Auslandeinsätze geleitet haben. Eine internationale Armee kann nicht mit einheitlicher Auftragstaktik geführt werden. Da haben sie die Kompanie aus Fidschi, eine aus Brasilien, daneben eine aus Ghana. Denen können sie nicht Aufträge übertragen, die sie selbständig zu erfüllen in der Lage sind. Da müssen sie zuerst Befehlstaktik lehren. Und wenn sie endlich alles auf demselben Leisten haben, dann müssen sich alle anpassen, sich so verhalten, wie es auch andere machen. Im Auslandeinsatz verliert die Schweiz ihre Hauptstärke, die in der Miliz wurzelt: Die Köpfe, die selber denken können, selber zu denken gelernt haben, die im Rahmen des ihnen erteilten Auftrages selber Entscheide fällen können.

Für die neuen Bedrohungen brauchen wir zusammengeschweisste Verbände, in denen jeder jeden kennt, jeder jedem vertraut. Ich muss wissen, wem ich einen Auftrag erteile. Ich muss den Mann kennen, seine Familiengeschichte, ihn selbst. Und er muss mich kennen, er muss Vertrauen haben in mich. Wir brauchen Truppenkommandanten als Verantwortliche, die Ausbildungslücken nicht abschieben können auf irgend ein Aufwuchs-Konzept: „Das machen wir dann schon, wir können es nur jetzt halt noch nicht.“ Wir müssen die Kommandanten wieder messen und qualifizieren an der Bereitschaft ihres Verbandes für den Ernstfall.

Wir wollen mit diesem realistischen Soldatenbild keinen Missbrauch dulden. Soldaten unter der Bezeichnung „Unterstützung der Behörden“ als Gratis-Hilfe für kommerzielle Anlässe: Solches missachtet die Würde des Soldaten! Diese Würde ist zu achten. Sie hängt zusammen mit der Todesnähe des Soldaten. Das ist etwas ausserordentlich Ernsthaftes.

Der Soldat ist auch als Bürger zu achten. Wir sind Soldaten und Bürger in einem. Und wir trennen das nicht. Als Bürger sind wir die Vorgesetzten aller Leute unter der Glasglocke an der Armee-Spitze. Wir bestimmen, wohin es geht. Wir haben eine Meinung. Und diese Meinung sagen wir auch. Und dann ziehen wir, wenn es sein muss, die Uniform an. Wir sind dann immer noch Bürger und äussern unsere Meinung weiterhin. Allerdings gibt es dann eine Ausnahme: Wenn der Einsatz, der Ernstfall kommt, dann gehorchen wir, weil das nötig ist. Wir können nicht tausend Dinge tun, jeder, was er will. Wir haben das zu tun, was der Vorgesetzte sagt. Das gilt schon in der Ausbildung, weil auch die Ausbildung nicht gelingt, wenn sie nicht einer Disziplin unterstellt ist. Aber alles andere bleibt dem Soldat als Bürger erhalten. Das ist der fundamentale Unterschied zur Berufsarmee.

Vierter Wegweiser: Die Unabhängigkeit

In der neuen Unordnung, welche die Welt von heute prägt, müssen wir handlungsfähig bleiben. Wir können das nur, wenn wir nicht oberflächlichen Konsens herbeireden wollen mit fünfundzwanzig andern Ländern, die ganz andere strategische Kulturen leben und ganz andere Interessen haben. Vor allem verlieren wir dann die Handlungsfähigkeit, wenn wir die Weisungen von Mächtigen erfüllen müssen, die ihre eigenen Interessen umsetzen wollen.

Wir können auch nicht auf den Schutz der Grossen warten. Die USA werden eher ausfallen, als dass sie ihre Hand noch über andere ausbreiten können.

Fünfter Wegweiser: Die Neutralität

Die Neutralität ist mehr als ein Rechts-Institut – leicht angestaubt, seit sie im Jahr 1907 definiert worden ist. Neutralität ist eine Grundhaltung. Sie darf niemals zum Lippenbekenntnis verkommen. Nie dürfen wir sagen: Ja, ja, wir sind schon neutral, aber wir machen trotzdem mit. In den vielfältig absehbaren bewaffneten Konflikten der näheren Zukunft gehört die Schweiz nicht an die Seite einer Partei oder einer Parteiengruppe. Wir wollen uns nicht hineinziehen lassen in Konflikte.

Als Kleinstaat, als neutraler Kleinstaat können wir diplomatische Kontakte mit allen aufrecht erhalten. Damit haben wir einen höheren Nutzwert denn als Gefolgsmann einer von mehreren rivalisierenden Mächtegruppen. Neutralität schützt uns nicht vor andern. Aber sie schützt uns vor unbedachten Abenteuern, in die es unter der Glasglocke realitätsfremd gewordene Leute ziehen kann. Die Neutralität schützt uns vor uns selbst, dass wir uns nicht plötzlich begeistern für irgend eine Aktion und dann unbedacht mit dem Militär in einen Konflikt stürmen.

Sechster Wegweiser: Die Selbstverantwortung

Wer unabhängig, klein und neutral lebt, ist allein. Man liebt den Neutralen nicht, schon gar nicht, wenn er reich ist. An Konferenztischen spielt er eine Nebenrolle. Das fällt eitlen und schwachen Vertretern von Staat und Armee äusserst schwer. Aber es nützt uns.

Wir müssen selbst für unseren Schutz sorgen. Wir brauchen eine starke Armee mit hohen Beständen. Was muss sie können? Sie muss das Unerwartete meisten können. Sie wird etwas bestehen müssen, was wir heute noch gar nicht ahnen. Dann, wenn wir sie brauchen, dann muss sie vor Nie-Dagewesenem, vor Überraschendem bestehen. Dafür gibt es eine eigene Führungstechnik, die man nicht abschreiben kann aus fremden Reglementen anderer Armeen.

Die erste Frage ist: De quoi s’agit-il? Diese Frage wird die hohen Kommendanten in Zukunft noch viel mehr beschäftigen als bisher. Zuerst ist herauszufinden: Was eigentlich los ist? Worum geht es? Auf der untersten Stufe wird es immer um Töten und Vernichten gehen. Auf operativer Stufe um Beweglichkeit, Flexibilität. Und auf der strategischen Stufe um Verhindern, Erzwingen, auch Schützen. Dies aber im eigenen Land, inmitten der eigenen Bevölkerung. Zu ihrem Schutz und unter höchster Schonung.

Die Führung muss eine umfassend eintrainierte Führungstechnik beherrschen, die Bund, Kantone, Gemeinden, Armee und Bevölkerungsschutz zusammenfasst. Sie muss umgehen können mit den Erfordernissen der ersten Stunde. Polizei, Feuerwehren, Sanität- und Transportdienste müssen sofort einsetzbar sein – auf solider gesetzlicher Grundlage. Die Führung muss genau wissen, wer wofür zuständig und kompetent ist. Und die Einsatzkräfte müssen die Stätte ihres Einsatzes kennen wie ihre Hosentaschen. Benötigt wird ein Truppen-Nachrichtendienst, der nicht nach Panzern späht, um herauszufinden, wo das Material des Gegners liegt. Der Nachrichtendienst muss sich auf Menschen konzentrieren. Herausfinden, wo jene sind, von denen Gefahr ausgeht. Damit man, im entscheidenden Augenblick, den Richtigen erledigen kann.

Wir müssen uns vorbereiten auf Städtekampf und auf Ortskampf. Das ist der Kampf der Grenadiere. Wir brauchen statt einer Füsilier-Armee eine Grenadier-Armee. Diese Änderung ist anzupacken! Das, was die Grenadiere können, den Kampf um Häuser und um Ortschaften, das ist etwas Spezielles, etwas Besonderes. Es muss sorgfältig und umfassend trainiert werden. Diese Botschaft muss hinaus ins Land: Weg von der Füsilier-Armee – Hin zur Grenadier-Armee! Und in Übungen ist zu zeigen, was für gewaltige Kräfte auf dieser neuen Grundlage freigesetzt werden können.

Diese Entscheidung ist zu treffen, von denen innerhalb und von denen ausserhalb der Glasglocke. Wer dem störrischen Volk ein realistisches Weltbild und ein realistisches Soldatenbild ohne heuchlerisches Vokabular aufzeigt, wer mit Bildern operiert, die man täglich am Bildschirm wieder erkennen kann, wer glaubwürdig Unabhängigkeit, Neutralität, Selbstverantwortung mit einer zum wohldosierten Einsatz im eigenen Land bereiten, starken Armee anstrebt, dem wird es nicht an Gefolgschaft fehlen.

Hans Bachofner, Div aD

Infos & Downloads
>> Vortrag vom 28.1.06 in Aarau [35 KB]
als PDF zum Herunterladen
>> Die Armee aus der Glasglocke befreien! [74 KB]
als PDF zum Herunterladen

Medien-Echo
>>
Zürichseezeitung [99 KB]
als PDF zum Herunterladen
>> Bericht von der sifa-Wintertagung [15 KB]
als PDF zum Herunterladen

Weiterlesen