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Auf dass der Lastenzug nicht zur Waffe wird

Schwerverkehrs-Kontrollzentrum Schaffhausen

Das Schwerverkehrs-Kontrollzentrum Schaffhausen, betrieben von der Schaffhauser Kantonspolizei, ist für die Kontrolle des Nord-Süd-Lastwagenverkehrs zuständig, der bei Thayngen die Grenze passiert.

von Dr. Ulrich Schlüer, sifa

Insgesamt sechzehn Personen werden im Kontrollzentrum eingesetzt, die in jährlich 25’500 Arbeitsstunden den grenzüberschreitenden Lastwagenverkehr kontrollieren. Das Zentrum in der Nähe des Bahnhofs Schaffhausen wurde am 30. November 2007 in Betrieb genommen – damals mit acht Mitarbeitern, die selektive Kontrollen vornahmen.

Triage

Kurz nach der Grenze erfolgt die Triage der Lastenzüge. Wird der Zustand des Fahrzeugs als ungenügend vermutet oder die Fahrfähigkeit des Chauffeurs bezweifelt, wird das Fahrzeug ins Kontrollzentrum Schaffhausen verwiesen. Zwischen Grenze und Kontrollzentrum sorgen Streifenwagen-Besatzungen dafür, dass kein Fahrzeug vor der ihm auferlegten Kontrolle «Abwege» sucht.

Lediglich vier der sechzehn Mitarbeiter im Kontrollzentrum sind Polizisten. Die andern sind Spezialisten (Mechaniker, Elektroniker, Speditionssachverständige), die technisch und organisatorisch immer auf der Höhe der Zeit sein müssen. Im Zentrum wird jedes Fahrzeug zunächst von allen Seiten, aber auch von unten «auf Herz und Nieren geprüft». Sorgfältig kontrolliert werden auch die Papiere zum Fahrzeug und zum Transportgut. Ist alles vorschriftsgemäss versichert? Getestet wird sodann die Fahrfähigkeit der Chauffeure.

Der Kontrollaufwand im Verkehrszentrum wird vom Bund (Amt für Strassenbau, Astra) bezahlt. Zusätzlich zu den 25’500 Arbeitsstunden, die im Leistungsauftrag des Bundes ans Kontrollzentrum festgehalten sind, werden jährlich 3’500 Arbeitsstunden für mobile Kontrollen von insgesamt drei Mitarbeitern geleistet.


Bild: pixabay.com

Vor allem ausländische Fahrzeuge

Von den kontrollierten Fahrzeugen sind 95 Prozent ausländischer Herkunft. Dies hat zwei Gründe: Erstens erhalten Schweizer Spediteure regelmässig Polizeibesuch in ihren Betriebszentren. Dort werden für Transporte eingesetzte Fahrzeuge genauen Kontrollen unterzogen. Zweitens ist das Sicherheitsbewusstsein schweizerischer Spediteure erfahrungsgemäss ausgewiesen hoch. Versuche, mit untauglichen Fahrzeugen und unterbezahlten Chauffeuren Gewinne durch Billigtransporte anzubieten: Dafür sind Schweizer Spediteure kaum zu haben. Am meisten Beanstandungen fallen bei Fahrzeugen aus Osteuropa an, die, bevor sie nach Passieren der Schweizer Grenze genau kontrolliert werden, oft in gefährlich defektem Zustand bereits ganz Deutschland durchquert haben. Kürzlich wurde ein Reisecar aus Tschechien aufgehalten: Er war voll besetzt; funktionsfähige Bremsen hatte er indessen nicht.

Massnahmen

2008 gingen vom Schaffhauser Schwerverkehrs-Kontrollzentrum 39 Verzeigungen aus. Ausserdem wurden hundert Ordnungsbussen verhängt. 2016 erfolgten 1’105 Verzeigungen und 280 Ordnungsbussen wurden verhängt. Weist ein Fahrzeug gravierende Mängel auf, dann ist die Weiterfahrt erst nach vorgenommener Reparatur möglich. Der Chauffeur bzw. der Spediteur, der das Fahrzeug betreibt, muss die Reparatur organisieren – durch eine Werkstatt im Raum Schaffhausen oder durch mobile Reparaturteams, die per Funk nach Schaffhausen dirigiert werden. Für durchschnittlich zwei bis drei Fahrzeuge pro Jahr wird sofortige Stilllegung durchgesetzt. Nur noch Abtransport per Tieflader wird erlaubt – nachdem das Transportgut auf ein anderes, fahrtüchtiges Fahrzeug umgeladen worden ist. Auch dafür hat der Spediteur aufzukommen, der das fahruntaugliche Fahrzeug auf die Strecke geschickt hat.

Die Chauffeure beanstandeter Fahrzeuge haben, bevor sie weiterfahren dürfen, eine Depotzahlung in der Regel von Fr. 2’000 zu leisten. Selten tragen die Chauffeure allerdings solche Geldsummen auf sich. Die Zahlung erfolgt meist vom Spediteur, also vom Betreiber des Fahrzeugs per Express-Überweisung. Erst nach deren Eintreffen wird die Weiterfahrt gestattet. 2016 hat das Kontrollzentrum-Schaffhausen Depot-Zahlungen im Gesamtbetrag von 1,16 Millionen Franken eingenommen.

Verantwortungslosigkeit

Neue technische Einrichtungen verschaffen den Spezialisten im Kontrollzentrum regemässig neue Probleme. Derzeit sind es die sog. Adblue-Fälle. Zwecks Verringerung der Abgase ist jedes Dieselfahrzeug mit einer Adblue-Anlage ausgerüstet, die Harnstoff in den Treibstoff einspritzt, was den Abgas-Ausstoss deutlich vermindert. Weil diese Einrichtung kostspielig ist, gelangen Kleinstapparate auf den Markt, mit welchen der Chauffeur das teure Gerät, wenn er unterwegs ist, ausschalten kann. Erst kurz vor der Grenze wird es wieder eingeschaltet. Es bedarf ausgewiesener Spezialisten, solch umweltbelastende Betrügereien – die einem Lastenzug um die sechstausend Franken Einsparungen bewirken können – zu entdecken.

Zunehmend Sorgen bereiten den Kontrolleuren – mit Blick auf den dichten Verkehr – Drogen konsumierende Chauffeure. Der Chef des Kontrollzentrums spart dazu nicht mit klaren Worten: Einen beladenen Vierzigtönner mit einem unter Drogen stehenden oder sonst wie fahruntauglichen Chauffeur bezeichnet er als ungesicherte Waffe. Solche Chauffeure am Steuer seien ohne Wenn und Aber aus dem Verkehr zu ziehen. Massiv gebüsst werden auch jene Chauffeure, die im fahrenden Fahrzeug vom Fahrzeug-Bildschirm irgend welche Filme konsumieren.

Der Besucher des Schwerverkehrs-Kontrollzentrums stimmt dessen Chefs bei: Die ruhige Gründlichkeit, mit der dieses Kontrollzentrum in Schaffhausen arbeitet, leistet einen markanten Beitrag zur Verkehrssicherheit. Jeder Verkehrsteilnehmer profitiert davon.

«Stauraum-Management»

Das Kontrollzentrum Schaffhausen ist auch zuständig für das Stauraum-Management, wenn wegen eines Feiertags in Deutschland keine Camions die Grenze passieren dürfen. Als Stauraum wird meistens das wenig benutzte Autobahn-Teilstück zwischen Bargen und Schaffhausen eingerichtet. Dort können für die Zeit, da die Grenze unpassierbar ist, mehrere hundert wartende Lastwagen abgestellt werden. Die Organisation klappt einwandfrei: Muss der Stauraum genutzt werden, werden in regelmässigen Abständen mobile Toiletten aufgestellt. Auf dass die meistens in ihren Fahrzeugen übernachtenden Chauffeure keinerlei Mangel leiden müssen, sind fahrende Händler mit allem, was Absatz findet, rasch zur Stelle.

Insgesamt: Eine mit Schweizer Zuverlässigkeit arbeitende Kontrollstelle, die dem Automobilisten unterwegs die Sicherheit vermittelt, dass er sich in ausschliesslich sicherem Camion-Verkehr bewegt.

Ulrich Schlüer / sifa

Kommentar (1)

  1. REPLY
    Bernadette Anliker says

    Sehr interessanter Artikel. Man sieht, dass solche Kontrollen wirklich etwas bringen. Leider gibt es diese hier im Rheintal am Zollamt Diepoldsau kaum, da auch kein Stauraum vorhanden ist. In letzter Zeit kommen immer mehr Lastwagen aus Osteuropa via Österreich, die dann durch unser eh schon massiv mit Verkehr belastetes Dorf fahren und die nächste Verbindung zwischen den beiden Rheintalautobahnen dies- und jenseits des Rheins nutzen. Wir ersticken immer mehr im Verkehr, die Luftwerte sind mehr als kritisch, aber es passiert nichts. Unter den Chauffeuren aus Osteuropa hat es sich wohl rumgesprochen, dass sie hier problemlos in die Schweiz einfahren können.

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